19.10. Käse auf's Korn³

19.10. THE MORLOCKS

20.10. Rockabilly Fever

23.10. Poetry Jam

25.10. Hot 'n' Spicy³

27.10. THE TWANG

30.10. Wirwoll'ndochnurSPIEL'N ;)

31.10. VON WEIDEN

02.11. Benni Benson

03.11. tigeryouth // North Alone

04.11. GRANDE ROYALE

09.11. If I Ruled The World

09.11. Talentschuppen

10.11. Dead Man's Eyes

11.11. One Oak

17.11. Los Dos Cerrados

18.11. EMPIRE ESCAPE

25.11. Do I Smell Cupcakes

29.11. Terry Lee Hale

DIE REGIERUNG (D)
10.04.   20:00h VVK: 11 - AK: 15

Da ist sie "RAUS", die erste Regierungserklärung seit über 20 Jahren: am 24.März 2017 vollzog sich dieser kaum noch erwartete "staatsakt." - denn sowohl dem 1984er Debüt "Supermüll" als auch dessen Spätfolge "Unten" (1996) blieben einem zumindest etwas größeren Publikum schleierhaft. Andererseits gilt dieses erste Bandprojekt von Tilman Rossmy als Wegbereiter der Hamburger Schule. Und die begeisterte Kritik ist sich höchstens uneinig, welche der beiden denn nun die beste deutschsprachige (Indie-)Rock-Platte aller Zeiten sein mag.

 

Schuld ist mal wieder ein Jubiläum: das Berliner Film- & Musik-Label "Play Loud" hatte anlässlich der - wie man das heutzutage im Business so macht - Albumwiederveröffentlichung nach 30 Jahren "Supermüll“ die Band gebeten, eine kleine Tournee in Originalbesetzung zu spielen. Und wie das dann so gehen kann: das Musizieren mit den alten Kumpels fühlt sich extrem gut & richtig an. Und es wäre doch eigentlich viel zu schade, sich jetzt wieder für eine halbe Ewigkeit nicht mehr wiederzusehen. Also: weitermachen...altes Glück, neue Scheibe. Warum auch nicht? Ein seltsamer Sonderfall ist man ja seit eh und je:

 

Die Regierung - damals vielen zu schnoddrig und eigenwillig - sollten nie so recht in ihre Zeit gepasst haben, klangen sie doch eher nach Americana-beeinflusster Indierock-Musik aus Übersee, als nach postmodernem Diskurs oder neustem MTV-Pop. Und Rossmy war sozusagen sitzen geblieben in der Schule, also immer ein paar Jahre älter als die anderen. Es gibt bis heute niemanden, der gleichzeitig so sperrig & flüssig in seiner eigenen Popsprache dichten kann wie Tilman. Beim ersten Hören beschleicht einen oft das Gefühl, man höre dem Dichter am Tresen beim Denken zu, einiges scheint noch unausgegoren, der Text noch nicht auf den Punkt, aber dann bleibt der Text - und nach und nach brennt sich jeder einzelne Satz ins Gedächtnis und wächst einem für immer ans Herz. So ein großes Talent zum Songschreiben hat man eben oder hat man nicht.

 

Nicht nur für uns - nach etlichen Soloeinlagen & Tilman Rossmy Quartett Shows - die Rückkehr einer Legende.

 

Tickets im VVK HIER an der Bar gebührenfrei sowie zu den üblichen Bedingungen via eventim.

 

 

 

Die Regierung @ facebook & mit den Worten von Frank Spilker (Die Sterne):

 

>> Die Regierung und später die Solo Alben von Tilman Rossmy waren in den neunziger Jahren ein selbstverständlicher Bestandteil der so genannten Hamburger Schule. Etliche Jahre nachdem der Sänger sich „französisch verabschiedet“ hat, wird (2015) das Debut Album der Band aus dem Jahr 1984, „Supermüll“, wieder herausgebracht und zwingt die Band dazu, die Sache mit dem Abschied zurückzunehmen, weil sie sich selbst so gut findet. Nach meinem Besuch des Reunion-Konzerts im Hamburger Knust, kann ich das nur bestätigen: Lange habe ich sie vermisst, diese großen emotionalen Momente, die Tilman Rossmys lakonische wie weltkluge Geschichten im Zusammenklang mit der Musik erschaffen. Das Ganze ist definitiv mehr als die Summe seiner Teile, und die Herren beschließen am Ende ihrer Tour: „Ohne Regierung geht es nicht weiter.“ Das Ergebnis halten Sie in den Händen: „Raus.“Der Sound ist schon mal die erste Überraschung: Die beständigen und als Markenzeichen der Band eingetragenen Achtel-Bässe werden von munter zwischen die Schläge verteilten Special-Effects flankiert. Den Produzenten Norman Nitzsche und Ralf Schlüter gelingt damit das Kunststück, die raue Unmittelbarkeit der Regierung der achtziger Jahre mit den Werkzeugen heutiger Technik trickreich in die Gegenwart zu überführen. Es ist eine Neuerfindung der Mittel, aber nicht des Klangerlebnisses. Der Sänger nuschelt einem wie immer vertraut aus der Mitte der Aufnahme direkt ins Ohr. Alles ist so geblieben wie erhofft und trotzdem komplett neu.Aus dieser Mitte kommen dann die Erzählungen. Tilman macht eigentlich nichts anderes, als zu erzählen und dabei die eigene Lebenswirklichkeit zu einem Songtext zu verdichten, so wie die großen Songschreiber das getan haben: Hank Williams, June Carter oder Dolly Parton. Folk. Warum er mit der Musik aufgehört hat. Warum er von Hamburg aus in den Süden gezogen ist und was die anderen die ganze Zeit gemacht haben. Wie es so ist mit der Familie und dem Job und wie die Zukunft sich immer weiter verfinstert, wenn man älter wird.

Ich fühle mich direkt angesprochen von Zeilen wie: „Du hast immer weiter gekämpft nicht wahr (…) für deinen Platz im Geschäft und ist es nicht ein Witz, dass man es so nennt? Irgendwie haben wir alle gedacht da draußen ist viel mehr Kundschaft mit einem Interesse an der eigenen Geschichte, an Geschichten von bemerkenswerten Menschen…“

Und dann sagt er noch, das ich ein bemerkenswerter Mensch wäre und ich möchte entgegen halten: „Ich habe keinen Sponsor!“, weil das auch in dem Lied vorkommt. So sehr kann man sich gemeint fühlen. In der letzten Strophe springt Tilman direkt zu einem Patti Smith-Konzert 1977, zitiert sie mit Worten: „Außerhalb der Gesellschaft warten sie auf dich“ und bringt das Stück damit auf eine andere Ebene, zu der Frage: Warum macht man das überhaupt mit der Musik? Warum nimmt man das auf sich. So wird aus der vermeintlich einfachen Nacherzählung des Erlebten große Kunst.Das Geheimnis dieser Kunst besteht vor allem in der Genauigkeit, mit der diese Sätze ausgewählt worden sind. Jedes Wort ist ein Stützpfeiler, kein einziges könnte man weg lassen. So entsteht ein Gefühl von Nähe und Authentizität – und die emotionalen Momente der Lieder. Das macht man nicht einfach so. Das ist ein Riesentalent.Am Ende des Albums steht Gevatter Tod vor der Tür und man möchte denken, spätestens jetzt muss es doch peinlich werden. Aber nein: „Die neue Zukunft heißt Erinnerung. Unsere Gegenwart ist eure Zukunft. Hebt eure Gläser und trinkt auf uns, denn wir sind auf dem Weg nach draußen. <<

 

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